EatThatCave-001

Eat that f*cking cave!

Sich betrügen und betrogen werden, das sind die Alltagsrealitäten unserer Zungen: Wir geben uns Aromastoffe um auf den Geschmackstrip zu kommen und wir kaufen Gewürzmischungen um zu glauben, wir ässen deshalb indisch, mediterran oder BBQ.
Platon fand, der Weg der Erkenntnis sei aus der “Höhle” zu gehen. Wir antworten: LET’S EAT THAT FUCKING CAVE.

Als kulinarischer Output für das OpenHouse vom Institut Hyperwerk der HGK/FHNW Basel entwickeln wir zusammen mit Studierenden und Raeuber & Stehler während einer Woche ein gastronautisches FoodGame: Im Stundentakt sollen jeweils 20 Gäste zusammen essen und dabei erfahren, dass nicht alles Geschmack hat, was schmeckt.
Wir kreieren dazu ein spektakuläres aber feines Abenteuer, das den Prozess des Schmeckens und Riechens, also der kulinarischen Wahrnehmung radikal hinterfragt. Wir werden versuchen “lecker” neu zu definieren und kulinarischen Genuss in 3D zu inszenieren.

Lesen Sie im Folgenden den Bericht des Workshops von Lük Pop, Studierender am HyperWerk:

Food-Performance am Openhouse
Mit Leon Heinz und Felicia Schäfer von der Internationalen Gastronautischen Gesellschaft haben wir während fünf Tagen eine gastronautische Performance entwickelt, zu welcher wir am OpenHouse im Stundentakt jeweils 20 Gäste einluden um zu essen und zu erfahren, dass nicht alles Geschmack hat, was schmeckt.

EatThatCave-Doku-2

Was schmecke ich?
Begonnen hat der Workshop mit einem Ausschnitt aus dem Buch „Der Schrecksenmeister“ von Walter Moers. Der Protagonist wird mit den köstlichsten Zutaten die man sich vorstel- len kann gemästet. Anhand einer Degustation sollten wir selbst versuchen, Geschmack als solches zu umschreiben und zu zeichnen. Doch wie beschreibt man den Geschmack einer Kakao-Bohne oder einer noch nie zuvor gesehenen Frucht wie Tamarillo?

EatThatCave-Doku-3

Und das alles in einer Woche
Das Programm für die Woche war straff. Bis Montag-Abend sollte die Idee stehen. Der Dienstag war dafür vorgesehen, die Konzepte der einzelnen Ressorts zu erstellen. Am Mitt- woch sollte alles eingekauft, vorbereitet und eingerichtet werden. Am Donnerstag von früh bis spät kochen. Und am Freitag Hauptprobe und kurz nach dem Mittag die ersten Gäste bedienen.

EatThatCave-Doku-4

Konzeptualisierung
Drei Kernideen haben wir gemeinsam erarbeitet:

  • Die Farbe rot dominiert die gesamte Performance.
  • Kleine Menu-Komponenten durchbrechen die übliche Abfolge der Gänge.
  • Der Drucker von Fäbu und Matt nimmt eine zentrale Rolle ein.

EatThatCave-Doku-5

Raeuber & Stehler
Fäbu und Matt erarbeiteten ein Konzept, wie sie den Drucker, den sie für die Biennale entwickelt hatten, in dieser Performance einbauen wollten. Materialien und Anwendungen wurden diskutiert und ausprobiert.

EatThatCave-Doku-6

Eine lange Tafel
Soll an mehreren kleinen Tischen oder an einer einzigen langen Tafel gegessen werden? Wo wird gegessen, wo wird angerichtet?

EatThatCave-Doku-7

Szenografie
Geruch, Ton, Licht, Einrichtung. In möglichst kurzer Zeit eine möglichst originelle Idee zu haben und umzusetzen ist nicht ganz einfach. Vieles entstand spontan und wurde oft genau so spontan wieder verworfen.

EatThatCave-Doku-8

Rühren und Schöpfen
Ingesamt wurden zehn Komponenten gekocht, gebacken oder angerührt. Es gab unter An- derem Brot, Hackfleisch, Suppe und einen Zwetschgenkompott.

EatThatCave-Doku-9

Zweitausend Becher
Jeder Gast erhielt zehn Becher des gleichen Gerichts. Viele fleissige Helfer haben uns geholfen zweitausend Becher abzufüllen. Vorne Randenmus und hinten Basmati-Reis.

EatThatCave-Doku-10

eat that cave
Ein Restaurant braucht auch einen Namen. Die Erkenntnis „Ich schmecke, dass ich nicht schmecke.“ führte uns zu Platon, der meinte, der Weg der Erkenntnis bestünde darin, aus der Höhle zu gehen. Wir antworteten: Let‘s eat that fucking cave!

EatThatCave-Doku-11

Rotkraut oder cevapcici?
Im roten Licht sieht man fast keinen Unterschied zwischen Rotkraut und Cevapcici. Einzig Nase und Mund helfen uns, die richtigen Zuordnungen zu machen. Doch was ist schon Richtig? Wer kann behaupten, dass uns die Wahrnehmung nicht täuscht?

EatThatCave-Doku-12

Fail follows function
Bis etwas so funktioniert wie man es gerne hätte, kann einiges schief gehen.

EatThatCave-Doku-13

Hans teilt nie!
Raeuber&Stehler haben die Tischgespräche mitverfolgt und auf ihren Drucker übersetzt. Die eine Runde konnte so Einfluss nehmen auf das Geschehen der nächsten Runde. Auch für die ersten mussten gute Sprüche und Grafiken vorhanden sein. Da half Ralf.

EatThatCave-Doku-14

Alles klar?
Bis weit in die Nacht hinein wurde vorbereitet und besprochen. Bevor am Donnerstagabend der Champagner geöffnet wurde, wurde die Performance bis ins kleinste Detail besprochen. Obwohl, es kommt ja doch anders, als man denkt.

EatThatCave-Doku-15

Wir alle sind gastronauten!
Es gibt kein Leben ohne das Essen, das in allem innewohnt. Wir besingen die Lebendigkeit des Essens – und somit das Leben.

EatThatCave-Doku-16

eins, drei, sechs
Zuerst bekam jeder Gast nur einen Becher, dann drei und dann sechs. Drei mal das genau gleiche Gericht. Am Ende hatte jeder zehn Becher und somit die Möglichkeit, mit den anderen Gästen zu tauschen und ein individuelles Menu zusammenzustellen. Doch dafür wurde Interaktion vorausgesetzt.

EatThatCave-Doku-17

Ich schmecke, dass ich nicht schmecke!
Es bleibt nebst Reis, Polenta und ein paar Flaschen Wein die gewonnene Erkenntnis. Platon ging aus der Höhle, um sie zu erkennen. Wir Gastronauten essen und verinnerlichen, was wir erkennen wollen. Und das bleibt.

EatThatCave-Doku-18

Text: Lük Popp
Fotos: Simon Gall

Ermöglicht dank HyperWerk.
hyperwerk


Teile das:
facebooktwittergoogle_plusmail

Folge uns:
facebooktwitteryoutube