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Illustratives Essen

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Beitrag im SWR Fernsehen, Landesschau vom 5.5.2015

Jeder Teller ist eine Leinwand. Am Ende jedes Essens befindet sich auf dem Teller ein Bild. Essen ist daher immer ein Akt des Gestaltens. Ob man will oder nicht. Beim Illustrativen Essen erweitern wir diese Gestaltungsmöglichkeiten des Essens.

Wir sind keine Freunde von Balsamico-Streifen auf dem Tellerrand. Denn meist sind sie unreflektiert, unpassend und unästhetisch.
Wir sind aber Freunde von Streifen als künstlerische Ausdrucksmöglichkeit. Und wir fragen uns gerne “Wer ist eigentlich der Künstler?” Beim Illustrativen Essen ist die Antwort eindeutig: Der Gast. Und wenn hier einer Balsamico-Streifen macht, dann dieser.
Auf Glasplatten servieren wir drei Gänge. Jeder Gang wird während des Essen zu einer Bild-Ebene. Vorspeise ist Hintergrund – Hauptgang ist Farbauftrag – Dessert sind Outlines und Schatten. Die Spuren, die beim Essen auf den durchsichtigen Platten nach jedem Gang zurückbleiben, werden nicht abgeräumt – der nächste Gang wird einfach darüber gelegt. So hat man nach dem Dessert ein vollständiges, leicht dreidimensionales Bild. Aus diesen Schichten:

Vorspeise/Basisradierung
Ein Mousse aus violetten Kartoffeln, Mohn, Balsamico und allerlei Kräutern ist als dunkelviolette Fläche auf die Glasplatte gestrichen. Eine Artischocke wird dazu serviert. Die Blätter der Artischocke dienen als Spachtel, mit dem man in die blaue Fläche ein Bild radiert, währendem man es isst.

Hauptgang/Farb und Form
Vier essbare Werkzeuge liegen auf Glasplatte: Chili-Karotten-Fineliner, Hummus-Brokkoli Spachtelmasse, Olivenmais-Schablone und ein Schab-Sabléstein. Während man die Werkzeuge verspeist wird die Saucenfarbe aufgetragen: Bärlauch-Firnis, Randen-Gouache, Safran-Lasur, Meerettich-Dispersion. Bunte Farben lagern sich über den dunkelvioletten Hintergrund.

Dessert/Kontrastierung und Outlines
Als letzte Ebene wird ein weisses Gebäck über die Vorspeise und den Hauptgang gelegt. Dazu erhält man dickflüssige Schokoladensauce in einer Spritzflasche mit feiner Spitze. Beim auftragen entstehen so schwarze Linien, die zu Konturen der unteren beiden Ebenen werden. Schwarzer Sesam kann dazu gestreut werden und wird zur Schattierung.

Während Bilder durch das Essen entstehen, illustrieren Cora Meyer und Paul Scherübel räumlich durch den Abend. Portraits von Gästen, direkt aufgegriffenen Situationen und kuriose Geschichten werden mit Saucen und Esswaren auf den Hellraumprojektor gezeichnet und direkt auf die Wände projiziert. Der Raum wird zum Bild und zur Speise.

Fotografie: Florian Bitterlin zeitversiegelung.ch

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