Die Haut ist eine Zunge

Wir waren im “La Sueur”

Das “La Sueur” kennt jeder. Es ist immer wieder einen Ausflug wert:
Mit einem Verfahren, das nur die Familienmitglieder kennen, werden dort Aromen so präpariert, dass sie nach dem Essen über die Haut transpirieren. Es wird einem deshalb auch empfohlen, zu einem Essen unbedingt eines der hauseigenen Hotelzimmer zu buchen. Am besten zu zweit. Es würde, so steht es im Vorwort der Speisekarte, die Parfümierung der Bettlaken, extra auf das Essen, das der Gast zu sich genommen haben wird, abgestimmt. Liegt man nach dem Essen im Bett, am besten zu zweit, entstehen raffinierte Kombinationen aus dem Eigenen manipulierten Körpergeruch, der darauf abgestimmten Bettwäsche und dem Aroma des Beischläfers. Kommt man ins Schwitzen, intensiviert sich der Geruch und ein wahres Aromainferno entsteht. Am besten zu einem Glas Champagner mit ausgeprägter Hefenote.
Kürzlich ist im Netz eine Werbung für ein industriell gefertigtes, schluckbares Parfüms aufgetaucht. Das Personal des “La Sueur”  geriet in Panik ob des Schwindens ihrer Marktlücke und der älteste Bruder wurde Mönch im Elsass. In der grosszügigen Klosterbibliothek entdeckte er ein Rezept aus alten Zeiten: Früher brachte man bei Eseln kleine Bäuschchen zwischen den Vorderbeinen an. Dann trieb man sie durch die Wälder und die Bäuschchen saugten sich voll mit Eselschweiss. Bis diese vollgetränkt beim Laufen wieder runter fielen. Sie wurden eingesammelt, ausgepresst und der gewonnene Eselschweiss galt als ganz besondere Delikatesse.
Wie schmeckt wohl diese Leckerei, fragte sich der Bruder, wenn man sie nach dem La-Sueur-Verfahren präpariert und über einen Menschen transpirieren lassen würde?


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