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Served Content New/Now Festival Amsterdam

Die Internationale Gastronautische Gesellschaft wird zum New/Now Festival in Amsterdam eingeladen. Das internationale Kunstfestival bietet europäischen Künstlerinnen und Künstler aller Disziplinen und aller Kunstakademien eine Plattform ihre Arbeiten zu zeigen. New/Now tritt mit andern Künstlern und Kunstinteressierten in Austausch, was ihnen den Einstieg in den Markt ermöglichen soll.

NEW NOW 2015 Impression Video from ELIA on Vimeo.

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Kann man sagen, dass die Zutaten der Inhalt und das Rezept die Formgebung darstellt, oder ist es umgekehrt? Und wer ist das Medium? Das Essen, oder der Gast? Und wie ist es mit der Performance? Wer macht da, was für wen? wer macht für wen die Performance?

Der Tisch ist riesig. Der Raum ist dunkel. Der Boden ist silbern wie in einem Raumschiff. Auf einer schwarzen glatten Oberfläche liegen Besteck und Gläser auf dem Tisch: Ein leeres Weinglas, ein leeres Wasserglas und ein kleines Schnapsglas. Es leuchtet gelb und fluoreszierend im UV-Licht. Es enthalte pures Glück, verkünden die Gastronauten. 20 Gäste nehmen an der Tafel Platz. Eine Suppe wird aufgetragen. Sie sei Kindheit, wird erklärt. Der Gast ist aufgefordert das Glück in die Kindheit zu leeren. Mit Bedacht! Zu viel Glück auf einmal kann bitter werden. Wunderbare Lichtspiele mäandrieren durch die Suppenteller. Je mehr von der fluoreszierenden Flüssigkeit, desto schöner das Schauspiel – und desto bitterer die Suppe. Wer alles nimmt, kann die Suppe nicht mehr essen.

Die Suppe wird abgetragen. Das Besteck wird entfernt. Der schwarze Tischbelag wird abgezogen wie die Haut eines Reptils. Der Tisch wird weiss, der Raum hell. Auf dem weissen Baumwolltuch liegen runde Scheiben aus Pappe mit Löchern. Darauf wird jedem eine handvoll Salat gelegt. Sauce wird darüber geleert: rote, grüne oder graue. Manche Gäste dürfen wählen. Manche nicht. Das weisse Tischtuch wird bunt. Zurück bleiben jedem Gast sein Farbfleck mit Punkten von der Schablone und die farbigen Finger. Die Hühnerbeine dampfen. Vegiburger, Gratins und Paprikaschoten sind heiss. Das Brett ist lang und weiss und trotzdem fast zu klein für all das Essen. Die Gäste langen zu und stellen fest: Sie müssen teilen. Hühnerbeine werden getauscht, Gratins verschoben. Teller gibt es nicht. Die Flecken werden grösser. Aus den Paprikas tritt beim aufschneiden farbiger Saft. Man isst und trinkt Prosecco von Magnumflaschen.

Das Tischtuch wird entfernt. Die Knochen verschwinden. Die Flecken werden zu einem einzigen grossen Farbspektakel vereint. Darunter kommt glänzend ein See aus Farben zum Vorschein. Eine weiche, leuchtende Gelatinefläche ruht auf dem Tisch. Darin vergraben liegen Töpfchen, gefüllt mit süssen Saucen und Löffeln. Ein weisser Mandelpudding wird serviert. Das Essen wird zum Ausdruck, wird zum Spiel. Der Gast, sein Löffel, der Tisch, die Speise werden zu einem gelösten Ganzen. Farbige Gelatinebrocken werden durch die Luft geworfen und Glibbertürme fallen um.

Photo credits: Studio Markus


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